Rumänische Polizisten in Köln
DUISBURG (15.11.2011). Der Zuzug von Menschen aus Südosteuropa nach Hochfeld hat für Schlagzeilen gesorgt. Inzwischen bewegt sich auch etwas im Rathaus, damit die Frage nach einem geeigneten Umgang mit der Zuwanderung aus Rumänien und Bulgarien nicht allein ein Medienthema bleibt. Karl-August Schwarthans (Foto), Geschäftsführer der AWO-Integrations gGmbH, der sich in Hochfeld mit einem Stadtteilbüro aktiv engagiert, hat ein wenig über den Tellerrand geschaut und durchaus ungewöhnliche Meldungen aus den Zeitungen gesammelt. Für den AWO-Newsletter stellt er seine eigene kleine Presseschau vor.
In der Rheinischen Post habe ich gelesen, dass die Düsseldorfer Polizei sehr interessiert nach Köln schaut. Dort gehen zwei rumänische Polizisten, eine Frau und ein Mann, mit den lokalen Kollegen Streife. Auf diese Weise wollen die Kölner Ordnungshüter den Druck auf Wohnungseinbrecher aus Südosteuropa erhöhen. Das Ziel: Den Kriminellen will man vor Augen führen, dass ihre Taten später durchaus auch in ihrem Heimatland verfolgt werden.
Solche Nachrichten einer Zusammenarbeit sind zunächst einmal positiv, denn es zeigt, dass sich die Polizei in gewisser Weise interkulturelle Kompetenz zunutze machen will. So arbeiten wir auch in unserem Büro in Hochfeld. Eine Kollegin bulgarischer Herkunft gehört fest zum Team.
Es ist dabei aber im Zusammenhang mit der Zeitungsmeldung wichtig zu wissen: Der größte Teil der Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien ist keineswegs auf Straftaten aus oder will die Prostitution fördern. Diese Zuwanderer sind nicht selten selbst Opfer von Betrug und Geldschneiderei. Ihnen geht es schlicht um Lebensbedingungen für sich und ihre Familien. Sie suchen als EU-Mitglieder Arbeit und Bildung im vereinten Europa.
Muss man sich da bedroht fühlen? Die Tageszeitung TAZ sagt nein. In einer ihrer Ausgaben fand ich die Nachricht, dass ein CSU-Landrat aus dem bayrischen Deggendorf junge Bulgaren anheuern will. So hofft er, dem Fachkräftemangel in der Region zu begegnen. Durch Ausbildung dieser jungen EU-Bürger! Wie ist eine solche Nachricht zu bewerten? Zum Beispiel so: Zuwanderung und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind nicht voneinander zu trennen.
Duisburg tut sich auch deshalb so schwer mit der Nachricht, dass etwa 4000 Menschen aus Südosteuropa hier inzwischen leben, weil der "Fachkräftemangel" (noch) nicht angekommen ist. Dabei gilt, im Jubiläumsjahr des Anwerbeabkommens mit der Türkei von 1961 an Max Frisch zu erinnern: "Wir riefen Arbeitskräfte. Es kamen Menschen."
Dann habe ich den Hinweis in der WAZ gesehen, dass die Drogeriemarkt-Kette Schlecker in Hochfeld mit Prospekten in türkischer Sprache ihre Produkte bewerben will. Ich war kurz nach dem Erscheinen des Artikels in Hochfeld bei Schlecker und habe keinen Prospekt in Türkisch gefunden. Doch darum geht es mir nicht. Was auffällt: Dass der Versuch in dem einzigen Stadtteil gestartet wird, in dem die Gruppe der türkischen Zuwanderer nicht die größte Migranten-Gruppe unter den Migranten darstellt.
Und dazu, dass eine solche Nachricht abgedruckt wird, sorgt für Diskussionen um das Thema "Integration ist an den Spracherwerb gebunden". Doch Vorsicht vor allzu großer Eile bei der Beurteilung.
Ich möchte daran erinnern, dass in den USA der Umgang ganz pragmatisch ist. Dort sind längst spanisch-sprachige TV-Spots üblich. In Spanien bekommen deutsche Urlauber und Residenzler ihre Botschaften ebenfalls in der Muttersprache. Weil Werbung alles möglich kann und soll. Vor allem aber eins: Produkte verkaufen.
Wir von der AWO-Integration gehen da pragmatisch vor und bieten unsere Flyer und auch Veranstaltungsplakate mehrsprachig an. Auch in Türkisch. Und in Russisch, da wo gerade viele Zuwanderer aus diesem Land leben. So fühlt sich dann niemand ausgeschlossen. Denn uns geht es vor allem um eins: Dass wir die Menschen erreichen, die unsere Unterstützung suchen. Wir verstehen dies als Beitrag zur Integration!
Karl-August Schwarthans
Telefon: 0203 3095-0
Mo.–Fr. 8 bis 17 Uhr
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