200 Gäste zum "Iftar", dem Fastenbrechen, auf dem AWO-Ingenhammshof

200 Gäste zum

DUISBURG (13.06.2017). Zu einer Tageszeit, zu der sich normalerweise die Ruhe auf dem AWO-Ingenhammshof in Meiderich ausbreitet, setzten sich 200 Menschen gemeinsam an den Tisch.

Die AWO-Integration lud nach Sonnenuntergang zum „Iftar“, dem Fastenbrechen im Ramadan, ein. Schiiten und Sunniten, Christen und Menschen, die nicht an Gott glauben, aßen gemeinsam. Flüchtlinge aus den benachbarten Unterkünften und „alteingesessene“ Duisburger erlebten eine Zeit des Feierns und der Fröhlichkeit. Als eine der fünf Säulen des Islam stärkt der Ramadan den Glauben, die Familien sowie Freund- und Nachbarschaften. Der gemeinsame Abend am Freitag machte dies spürbar. 

Die Tische wurden im Freien gedeckt. Wasser, Datteln, Oliven und Brot standen auf den Tischen. Der afghanische Koch Khaled Zamani wachte über die riesigen Töpfe, in denen er das Essen zubereitet hatte. Die Zutaten spendeten Geschäfte und Privatleute. Zamani ist ein Flüchtling mit geduldetem Status, der mit seiner Abschiebung rechnen muss. Manch einer schaute ihm über die Schulter  und fragte „Wird es wohl reichen? Wird alles klappen?“ Da konnte der Koch nur lachen: „200 Personen? Das ist doch nichts. In Afghanistan habe ich für 5.000 gekocht.“

Zum Sonnenuntergang stand alles bereit. Das Ende des Tages gibt das Zeichen für das allabendliche Fastenbrechen im Ramadan. Die Gäste sind da. Mit dabei waren auch Mario Terzic als Leiter des Kommunalen Integrationszentrums und Veysel Keser, Geschäftsführer der Serva GmbH für die AWO-Duisburg. Vom AWO-Ortsverein Meiderich setzten sich die Vorsitzende Aggi Köster und die Kassiererin Marianne Möller mit an die Tischreihe.

Und dann war doch noch eine besorgte Frage: Wie wird es sein, Sunniten und Schiiten bei einem gemeinsamen Abendessen? Die einen wollten an diesem Tag kurz vor zehn und die anderen über zwanzig Minuten später mit einem Gebet das Fastenbrechen beginnen. So sieht es ihre jeweilige Überzeugung vor. Welche Stimmung herrscht, wenn Menschen an einem Tisch sitzen, die in ihren Herkunftsländern mitunter voreinander flüchten?

Der Hodscha Asadi Mohammad Reza, ebenfalls ein Flüchtling, wählte eine lebenspraktische Variante. Er rief zeitlich versetzt mit dem Gebetsruf zum Fastenbrechen auf. So wurde er beiden Glaubensrichtungen gerecht.

„Gelebter Glauben ist gelebte Toleranz“ stellte Karl-August Schwarthans, Geschäftsführer der AWO-Integration, fest. Es gehe darum, einen Raum des Friedens und der Begegnung auf Augenhöhe zu schaffen. Und etwas ganz Praktisches hatte die Einladung ebenfalls im Sinn: Den Geflüchteten aus den Unterkünften in der Emscher Straße und der Wiesbadener Straße wollte man eine Abwechslung bieten. Das gelang und es glückte noch mehr: ein Stück Integration. Der Einsatz des AWO-Integrationsteams wäre ohne die tatkräftige Unterstützung aus den Reihen der Flüchtlinge nicht halb so erfolgreich gewesen.

Die Mitarbeiter des AWO-Ingenhammshofs, der Flüchtlingsbeirat und die Migrationsberatung für Erwachsene hatten die Initiative für das Fastenbrechen ergriffen. Hilfe dabei, den Abend für über 200 Menschen zu organisieren, fanden sie allenthalben. Und schließlich: Die Geflüchteten sahen sich keineswegs als Gäste. Sie fühlten sich selbst auch als Gastgeber. Denn sie hatten zum „Iftar“ beigetragen. 

Bis gegen 23:30 Uhr saßen alle gestärkt zusammen, waren im Gespräch vertieft. Dann räumte man gemeinsam Teller und Gläser zusammen. Ganz ohne Absprache ging alles Hand in Hand, alle fassten mit an. Beim Verladen der riesigen Kochtöpfe und -utensilien, die ein Unternehmer aus Essen zur Verfügung stellte, zwinkerte der Koch beim Abschied: „Da ist noch viel Platz im Topf.“ Er meint damit: Gern würde er sie ein weiteres Mal füllen. Für seine alten und neuen Freunde auf dem AWO-Ingenhammshof. 

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