AWOcura-Geschäftsführerin Wilma Katzinski beurteilt Koalitionsgespräche skeptisch

AWOcura-Geschäftsführerin Wilma Katzinski beurteilt Koalitionsgespräche skeptisch

DUISBURG (05.02.2018). Die Verbesserung der Pflege ist in diesen Tagen ein Medienthema. Vom Notstand ist die Rede und davon, dass die große Koalition mit 8.000 neuen Stellen den Herausforderungen begegnen will.

Wilma Katzinski (Foto), Geschäftsführerin der AWOcura, bezweifelt, dass dies so gelingt. Die AWOcura betreibt fünf Pflegeheime sowie zwei ambulante Pflegeeinrichtungen in Duisburg

Wilma Katzinski erkennt am Verhandlungsergebnis der Politiker: die Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit wird immer größer. Sie sagt: So wenig Lebens- und Arbeitslebenserfahrung schafft nicht das Vertrauen in politische Lösungen. In einer Stellungnahme fordert sie: weniger Bürokratie und mehr Stellen für Pflege- und Betreuungsassistenten.

Wilma Katzinski: „Beim Neujahrsempfang in unserem AWOcura-Seniorenzentrum Lene Reklat in Rheinhausen hat unsere Pflegeassistentin Yvonne Lobigs mit ihrer Rede aufgerüttelt: An jedem Tag will sie mindestens einen Menschen zum Lächeln bringen, hat sie gesagt. Dieses vermeintlich kleine Ziel trägt aus meiner Sicht mehr zur Veränderung der Situation bei, als die Zahl von 8.000 neuen Stellen aufzurufen. Denn in Wirklichkeit formuliert auch dieses Ergebnis der Koalitionsverhandlungen ebenfalls nur ein Miniziel. Es ist dabei nicht einmal so wirklichkeitsnah wie Yvonne Lobigs Engagement, einen Moment der Freude zu schenken. 8.000 Stellen bundesweit, das bedeutet 0,6 Stellen pro Einrichtung. Das Verhandlungsergebnis zeigt: die Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit wird immer größer.

Die Politik schenkt uns Stellen, aber scheint so abgehoben von der Wirklichkeit, dass sie nicht zur Kenntnis nimmt, dass wir schon die vorhandenen Stellen nicht besetzen können. Absicht, Feigheit oder Dummheit? So wenig Lebens- und Arbeitslebenserfahrung schafft nicht das Vertrauen in politische Lösungen. Der Arbeitskräfte-Mangel  - und das gilt längst nicht nur für Pflege, sondern auch für Schulen oder ganz andere Branchen -  wird zur eigentlichen Herausforderung. Freie Stellen gibt es genug. Es mangelt an Bewerberinnen und Bewerbern.

Eine höhere Bezahlung könnte ein Anreiz sein, mehr Kräfte zu gewinnen. Dabei muss im Blick bleiben: Höhere Personalkosten bedeuten auch höhere Aufwendungen für die Bewohnerinnen und Bewohner. Es sei denn, der Staat macht sich stark, die Kluft zu schließen. Was dabei zudem nicht vergessen werden darf: Examinierte Fachkräfte verdienen in der Pflege besser, als in der Öffentlichkeit behauptet wird. Zum Beispiel mehr als ein Bürokaufmann.

Was geht: Der Beruf lässt sich attraktiver machen und dabei rede ich nicht von der oft zitierten Begleitung bei Toilettengängen. Darüber beklagen sich unsere Mitarbeiter in der Regel nämlich nicht. Was sie auszehrt ist das schreckliche hohe Maß an Bürokratie. Pflege haben sie gelernt und verbringen dennoch – weil es gefordert ist – zu viel Zeit als Bürokräfte. Die Stunden, die dafür verbraucht werden, fehlen in der Pflege, also den Menschen.

Wir als AWOcura haben die Dokumentation aus diesem Grund umgestellt. Das klappt gut und wird inzwischen kopiert. Doch es gibt auch für uns Grenzen. Mehr Fachkräfte sind wichtig, aber nicht alles. Wir sollten mehr Pflegeassistentinnen und Alltagsbetreuer einstellen. Sie geben den Bewohnerinnen die notwendige Zuwendung und konkrete Hilfe. Sich von der Fachkräftequote (50 Prozent) zu lösen, könnte ein weiterer konkreter Schritt gegen den vermeintlichen Pflegenotstand sein.

Wir als AWOcura werben für die Ausbildung in der Altenpflege, wir qualifizieren unser Personal und ermöglichen die nächsten Karriereschritte. Wir ermöglichen berufliche (Wieder-)Einstiege als Pflegeassistentin oder Alltagsbegleiter. All das zeigt Erfolge. Jedes unserer Häuser hat mit 1,0 bei der Prüfung des medizinischen Dienstes der Krankenkassen abgeschlossen. Bei aller Anstrengung, es gilt auch der Satz von Yvonne Lobigs: „Wir alle geben hier sehr viel und ein bisschen mehr, aber irgendwann gibt es eine Grenze.“ 

Der Beschluss der Politik verschiebt diese Grenze nicht.

Die Bundestagsabgeordnete Bärbel Bas hat die Einladung von Frau Lobigs angenommen. Unsere Duisburger Frau in Berlin wird für einen Tag in einem unserer Häuser auf Schicht gehen. Wir wissen, dass Bärbel Bas das nicht wegen der Medienaufmerksamkeit tut, sondern weil sie mehr über den Alltag erfahren will. Diese Erfahrung  kann sein: „Wir leisten gute Arbeit, wenn man uns lässt.“ 

Wir hoffen, dass Frau Bas nach einem Tag bei uns diese Botschaft mit nach Berlin nimmt.  

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