Corona: Interview mit dem AWO-Geschäftsführer Veysel Keser zur aktuellen Situation bei der AWO-Duisburg

Corona: Interview mit dem AWO-Geschäftsführer Veysel Keser zur aktuellen Situation bei der AWO-Duisburg

DUISBURG (26.03.2020). Für den AWO-Newsletter gibt Geschäftsführer Veysel Keser ab sofort einmal in der Woche ein Update zur Lage bei der AWO-Duisburg in den Zeiten von Corona.

Was hat sich in dieser Woche bei der AWO-Duisburg getan?

Zunächst eine gute Nachricht: Bis heute sind wir von Infektionen verschont geblieben. Aber wir bereiten uns darauf vor, dass diese Situation in unseren Einrichtungen, trotz aller Vorsichtsmaßnahmen und Hygienestandards, eintreten kann.

Diese Woche war zudem davon geprägt, Schutzkleidungen für unsere Pflegekräfte vorzuhalten. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind im ständigen Kontakt mit den Behörden und unseren Lieferanten. Darüber hinaus haben wir eine gut funktionierende Kooperation mit den anderen Wohlfahrtsverbänden. Wir helfen uns gegenseitig. Als Arbeitsgemeinschaft treten wir ebenfalls geschlossen gegenüber den zuständigen Behörden auf.


Welche Bereiche sind noch betroffen?

Im Moment schaut die Öffentlichkeit intensiv auf unsere Pflegeeinrichtungen. Dort leben sehr viele ältere Menschen und diese sind von dem Virus besonders bedroht. Wir wissen aber auch, dass in der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe unsere Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter gefragt sind.

Die Aufforderung, möglichst zu Hause zu bleiben, stellt einige Familien vor Herausforderungen. Wenn die Eltern mit mehreren Kindern den ganzen Tag in einer kleinen Wohnung zusammen sind, ist das nicht immer leicht. Wir registrieren ebenfalls, dass es unaufschiebbaren Gesprächsbedarf bei den Klienten gibt. Zum Beispiel können die Kolleginnen und Kollegen in der psychosozialen Betreuung die Menschen nicht ausschließlich am Telefon oder online beraten – manche brauchen den persönlichen Kontakt. Hier muss feinfühlig abgewogen werden, was gerade für diesen Menschen und in dieser Situation gut und richtig ist.

Und dann noch: Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf dem AWO-Ingenhammshof und auf dem AWO-Bauspielplatz in Neumühl haben einen Versorgungsplan aufgestellt und arbeiten in Schichten. Die Tiere müssen ja auch weiter versorgt werden.


Wie ist die Stimmung bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern?

Die Stimmung ist sehr gut. Alle halten sich an die Hygieneregeln. Alle sind engagiert und gehen mit der Situation professionell um. Die Abstandsregel wird eingehalten und trotzdem rücken die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr zusammen. Wir wollen die Krise zusammen meistern. Das ist deutlich zu spüren. Und bei aller Sorge in dieser Zeit ist das dann auch ein gutes Gefühl.


Gibt es Erlebnisse und Ereignisse, die Sie besonders bewegt haben?

Ich bin beeindruckt von den guten und kreativen Ideen für unsere Bewohnerinnen und Bewohner in unseren Heimen oder für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Nicole Mark zum Beispiel, Leiterin des AWOcura-Seniorenzentrums Lene Reklat, hat ein großes „Danke“ für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufs Straßenpflaster vor dem Haus in Rheinhausen gemalt. Zwei Kinder aus der Nachbarschaft unseres AWOcura-Seniorenzentrums Lene Reklat haben Briefe an unsere Bewohnerinnen und Bewohner geschrieben und Bilder dazugelegt. Und zwei Seniorinnen haben den Kindern inzwischen auch per Post geantwortet. Das sind schöne Momente des Zusammenstehens und Miteinanders.
 

Wie sieht Ihr Arbeitstag aus? Arbeiten Sie im Homeoffice?

Ich bin im ständigen Austausch mit unserem Geschäftsführungs-Team und den Führungskräften aus unseren Heimen. Ich verbringe viel Zeit mit dem Lesen von E-Mails und den Antworten dazu. In vielen Telefonaten und Video-Konferenzen stimmen wir tagesaktuell die weiteren Schritte ab. Es sind jeden Tag neue Entscheidungen zu treffen, um zügig auf neue Situationen zu reagieren. Ich komme weiterhin jeden Tag ins Büro.

Einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten im Homeoffice. Wir versuchen, das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich zu halten und reagieren entsprechend flexibel. Für keinen von uns hört die Arbeit zu einer bestimmten Uhrzeit auf. Im Moment zählt allein, dass wir diese schwierige Zeit gut zusammen meistern. Es ist eine große Herausforderung.


Wie schützen Sie sich?

Ich halte mich konsequent an die Abstands- und Hygieneregeln. Das ist schon fast eine Art Ritual hier bei uns auf dem Kuhlenwall und in jedem Fall selbstverständlich: Jeder, der zu uns kommt, geht zunächst ins Bad und wäscht sich intensiv die Hände. Es wird viel „Happy Birthday“ dabei im Kopf gesungen.

Im privaten Bereich achte ich ebenfalls darauf, die Regeln zu beachten. Meine Familie und ich vermeiden zum Beispiel unnötige Einkäufe und die Treffen mit Freunden haben wir auf die Zeit nach der Krise verschoben. Das gefällt mir persönlich nicht immer, aber ich kann gut damit umgehen. Denn ich habe die Hoffnung, dass diese schwierige Zeit irgendwann vorbei sein wird.


Welche Auswirkungen hat die Situation auf die einzelnen Bereiche der AWO-Duisburg?

Das ist sehr unterschiedlich: Denn wir sind ja ein Verband mit ganz unterschiedlichen Aufgaben. Unsere Familienbildung zum Beispiel ist geschlossen, ebenso der AWO-Ingenhammshof und der AWO-Bauspielplatz. Die Integrationskurse sind ausgesetzt. Dann haben wir unsere Seniorenheime, die gerade auf eine enorme Weise gefordert sind. Über die Herausforderungen der Familienhilfe habe ich bereits gesprochen.

Es variiert zwischen Stillstand, Ausnahmezustand und vielem dazwischen. Die Kursleitungen haben gerade eine Auszeit, manche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten von Zuhause, andere sind unverzichtbar am Arbeitsplatz. Es gibt kein einheitliches Bild. Außer vielleicht, das wir versuchen, gemeinsam und geschlossen alle betroffenen Menschen möglichst gut durch diese Krise zu bringen.

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