Sozialpädagogische Familienhilfe der AWO-Integration ist in der Pandemie besonders gefragt

Sozialpädagogische Familienhilfe der AWO-Integration ist in der  Pandemie besonders gefragt

DUISBURG (04.03.2021). Der Lockdown setzt Familien, die bereits vor der Pandemie erzieherische Hilfe benötigten, zunehmend unter Druck.

Diese Erfahrung machen derzeit die Mitarbeitenden der Sozialpädagogischen Familienhilfe innerhalb der AWO-Integration.„Mein Team kommt immer dann zum Einsatz, wenn eine Familie in Schwierigkeiten ist. Die Corona-Krise setzt da einen drauf“, sagt Melanie Nickel, Leiterin des Aufgabenbereichs bei der AWO-Integration. Aus dem Alltag kann sie berichten, mit welchen Schwierigkeiten die Menschen zu kämpfen haben.

„Zu unseren Klienten gehört eine Mutter mit zwei Kindern. Sie leben im Duisburger Norden in einer zweieinhalb Zimmer Wohnung. Die Mutter schläft im Wohnzimmer. Einen Internet-Anschluss kann sich die Familie nicht leisten. Das Distanzlernen in der Schule sorgte für eine zusätzliche Belastung.“ Die Teilnahme am Unterricht gelingt über ein Pre-Paid-Smartphone mit eingeschränktem Datenvolumen.

Weil die Mutter technisch wenig beschlagen ist, übernahm die Mitarbeiterin der AWO-Familienhilfe die Installation der notwendigen Apps für den Distanz-Unterricht. Den Kindern vermittelte sie auch, wie mit den Enttäuschungen umzugehen ist, wenn mit dem Fernlernen mal etwas nicht klappt. Die Mutter ist verunsichert, weil sie nicht bei diesen Problemen helfen kann. Melanie Nickel: „Deshalb ist die Unterstützung durch die Fachkraft umso wichtiger. Nicht nur wegen der technischen Hilfe oder weil sie etwas für die Familie ausdruckt. Sie ist auch als emotionale Stütze gefragt.“

Wenn die Mutter ihr Kind anschreit

Melanie Nickel erklärt, wie der Lockdown die Familien zusätzlich stresst. „Die Situation ist oft so, dass mindestens ein Elternteil eine geringe Frustrationstoleranz hat und vielleicht dadurch ein bedenkliches Erziehungsverhalten an den Tag legt. Oft spielen auch eigene schwierige Erfahrungen eine Rolle. Corona verschärft daher die ohnehin schwierige fachliche Arbeit zusätzlich. Die Eltern kommen jetzt noch mehr und öfter an ihre Belastungsgrenzen.“ Da reichen selbst kleine Anlässe wie ein kaputtes Handy, damit eine Mutter ihr Kind anschreit. Begrenzter Wohnraum, finanzielle Sorgen und kaum Perspektive tun dann noch ein Übriges.

Eine weitere zusätzliche Aufgabe der Familienhilfe ist es derzeit, die Corona-Regeln und die jeweiligen Neuerungen zu vermitteln. „Es ist für viele Deutsche schon schwierig zu verstehen, was neue Maßnahmen wirklich bedeuten. Für Menschen, die nicht Muttersprachler sind, ist das nicht selten unmöglich. Die AWO-Familienhilfe vermittelt, was gerade gilt und worauf zu achten ist.“

Mehr Hilfebedarf unter schwereren Bedingungen

Das Mehr an notwendiger Hilfe muss unter erschwerten Bedingungen angeboten werden. Denn auch für die Teams gelten die Hygiene-Vorschriften. Desinfektionsmittel, Handschuhe, Mund-Nasen-Schutz und auch Schuhüberzieher gehören schon immer zur „Grundausstattung“ der Teams. Angesichts einer möglichen Ansteckungsgefahr ist nun noch größere Vorsicht verlangt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versuchen, wo es geht per Videotelefonie bei Problemen aus der Distanz Beratung und Hilfe zu leisten. Häufig geht es nicht anders. Melanie Nickel berichtet von den Herausforderungen: „Einmal gab es in einer Schulklasse einen Corona-Fall. Die ganze Familie war plötzlich unter Quarantäne. Trotzdem können wir unsere Arbeit nicht einstellen und wir haben die notwendige Hilfe geleistet.“

Hausbesuche bleiben notwendig

Familien ausschließlich aus der Distanz zu stabilisieren, damit sie psychisch nicht zu sehr unter den Einschränkungen leiden, funktioniert nicht. Dazu sind Hausbesuche dringend notwendig und ein reiner Kontakt nur über Telefon nicht ausreichend. Wenn dann Leistungen vom Jobcenter beantragt werden müssen, benötigen die Familien ebenfalls Rat. Denn aufgrund der Pandemie ist kein persönlicher Kontakt zu der Behörde möglich. „Von unseren pädagogischen Zielen ist da noch gar nicht die Rede“, sagt Melanie Nickel.

Bei allen Problemen und zusätzlichen Anforderungen, Melanie Nickel weiß auch Gutes zu berichten: Ein Kind aus den AWO-Tagesgruppen habe zu ihr einmal gesagt: „Es ist schade, dass immer noch keine Schule ist, aber ich bin froh, dass ich hier zur AWO kommen kann und ihr da seid!“

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