Veysel Keser: "Wir müssen die Menschen erreichen, die unsere Hilfe brauchen und wollen!"

Veysel Keser:

DUISBURG (06.05.2021). Die zum Teil großen Differenzen zwischen den Inzidenzwerten im Duisburger Norden und Stadtteilen im Westen gegenüber weiteren Bezirken in der Stadt haben eine Debatte über die Ursache ausgelöst.

Die AWO-Duisburg, die mit vielen Angeboten und Projekten in den so genannten Brennpunkt-Quartieren aktiv ist, setzt dabei auf eine ideologiefreie Auseinandersetzung mit den Fakten. „Es geht um die Menschen, die unsere Hilfe brauchen und wollen. Erreichen wir diese, dann können wir die Pandemie erfolgreich bekämpfen“, sagt Veysel Keser, Geschäftsführer der AWO-Duisburg.

Veysel Keser erklärt dabei: „Einseitige Schuldzuweisungen in Richtung bestimmter Bevölkerungsgruppen und der reflexhafte Widerspruch mit Verweis auf soziale Ungerechtigkeit helfen nicht weiter. Die Ressourcen der Sozialarbeit sind begrenzt. Umso wichtiger ist es, sie da einzusetzen, wo sie gewünscht sind und wirken können.“ Es gehe zum Beispiel darum, diejenigen zu erreichen, die sich impfen lassen wollen, aber nicht über das notwendige Wissen und die Ressourcen verfügen.

Sich über ein Online-Portal einen Impftermin zu sichern, stelle für viele bereits eine Herausforderung dar. Als die über 80-Jährigen ein Impfangebot erhalten haben, seien es vielfach die Angehörigen gewesen, die den Termin vereinbarten. „Was aber ist, wenn niemand in der Familie über das dazu notwendige Wissen verfügt?“, so Veysel Keser. Die AWO-Duisburg unterstützt deshalb die Pläne der Stadt Duisburg, mobile Impfteams in einzelnen Stadtteilen einzusetzen.

Das allein reicht nicht. Information und Unterstützung für die Bürgerinnen und Bürger in den Stadtteilen mit höheren Inzidenzwerten sind weiterhin dringend notwendig. Veysel Keser: „Die Beschäftigten der AWO-Duisburg haben im Blick, wo sie gerade jetzt gebraucht werden. „Sie unterstützen die Menschen, die wollen, aber nicht können, so oft und so umfangreich sie können“, erläutert der AWO-Geschäftsführer das Vorgehen.

Die AWO-Teams haben es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, bei jedem Beratungsgespräch auch auf das Thema Pandemieschutz einzugehen und Informationen in der jeweiligen Muttersprache zu verteilen. „Wir fragen gezielt, ob etwas unklar ist und beschreiben zum Beispiel mögliche Impf-Angebote. Wir tun das, egal, ob es um Schuldnerberatung oder um Hilfe bei Antragstellungen geht“, so Keser. Alle Beratungskräfte der Migrationsfachdienste informieren zudem über Corona-Schutzmaßnahmen und klären über Impfungen auf. Die „Straßenpaten“ in Hochfeld sprechen die Menschen an, das Projekt „Schlüsselfiguren“ klärt über Zugänge zu Impfungen auf und hat sich die Corona-Aufklärung ebenfalls zur Aufgabe gemacht..

Ursachen so unterschiedlich wie die Menschen

Der AWO-Geschäftsführer macht dabei deutlich: „Die Ursachen für die Missachtung der Corona-Regeln sowie die mangelnde Impfbereitschaft sind so vielfältig und unterschiedlich wie die Menschen selbst.“ Alle Studien zeigen, dass Armut und soziale Benachteiligung wesentliche Faktoren für eine höhere Infektionsrate sind. Persönliche Überzeugungen oder Verschwörungstheorien spielen ebenfalls eine Rolle. Ein Mitarbeiter habe ihm berichtet, dass sich bestimmte Zuwanderungsgruppen als Menschen zweiter Klasse fühlten und deshalb fürchten, nur mit Impfstoff zweiter Klasse versorgt zu werden. „Querdenker“ gäbe es in jeder sozialen Schicht und jeder Herkunft, mit und ohne Migrationshintergrund.

AWO-Duisburg sieht sich in der Verantwortung

Veysel Keser: „Was wir nicht brauchen ist eine ideologische Debatte, wer die Schuld trägt. Was jetzt vielmehr nottut: Wir benötigen einen offenen und an der Realität orientierten Austausch, wie wir die Menschen besser und schneller erreichen.“ Die AWO-Duisburg, aber auch die weiteren Netzwerk-Partner in den Quartieren sind bereit, ihr Wissen und ihre Erfahrung weiter einzubringen. 

Veysel Keser: „Wir als AWO-Duisburg sehen uns in der Verantwortung, Wissen weiterzugeben. Das gilt für die Menschen, die sich auf uns verlassen. Das gilt aber auch gegenüber den Entscheidern über die richtigen Maßnahmen und der Öffentlichkeit.“

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